16.09.2013

Die kaufmännische Berufsschule muss neu positioniert werden!

„Die ‚Akademisierung der beruflichen Bildung‘ ist mittlerweile für mich zum bildungspolitischen Reizwort geworden“, so die Bundesvorsitzende des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW), Angelika Rehm. Damit wird eine Entwicklung charakterisiert, die sich in den vergangenen Jahren schleichend vollzogen hat und durch die der Fortbestand des dualen Berufsbildungssystems mehr als gefährdet wird. Davon betroffen sind insbesondere die Ausbildungsbereiche wie Bank, Industrie, Steuern, Versicherungen und vergleichbare theoriebetonte Ausbildungsberufe.

Ursächlich für diese Entwicklung sind die sich immer stärker etablierenden dualen Studiengänge, bei denen - vergleichbar zum alt bekannten dualen System - der Part der Berufsschule durch die Fachhochschule oder durch die Universität wahrgenommen wird, während der Betrieb weiterhin für die überwiegend praktische Ausbildung zuständig bleibt. Um diesem Trend entgegen zu wirken, setzt sich der VLW daher nachdrücklich dafür ein, eine weitere Schwächung des dualen Systems in einzelnen Ausbildungsbereichen nicht zuzulassen: „Es ist unabdingbar, dass man den Berufsschulen die Freiräume einräumt, die notwendig sind, um neue Ausbildungskonzepte zu entwickeln, die geeignet sind, konkurrenzfähige Berufsausbildungen im dualen System zu kreieren“, so Ernst G. John, VLW-Bundesvorsitzender. Das sollte im Zeitalter der eigenverantwortlichen Schule kein Problem darstellen. Bei der Neupositionierung der kaufmännischen Berufsschule ist beispielsweise an spezielle Abiturientenausbildungen, an Verknüpfungen von ausgewählten dualen Ausbildungen mit Fachschulbildungsgängen oder an Ausbildungskooperationen von Berufsschulen und Fachhochschulen bzw. Universitäten zu denken. Die dafür erforderlichen gut qualifizierten Wirtschaftspädagoginnen und –pädagogen sind im Berufsbildungssystem vorhanden. Die im Bund und in den Ländern für die berufliche Bildung Verantwortlichen sind gefordert. Die Zeit drängt!

Die Pressemitteilung als PDF-Datei

V. i. S. d. P.: Detlef Sandmann, VLW-Pressesprecher, Tel. 0511 2155 6070, sandmann@vlw.de