04.04.2013

VLWN fordert die Gleichstellung der berufsbildenden Schulen bei der Umsetzung der Inklusion

Der VLWN kritisiert bei den vorliegenden untergesetzlichen Regelungen zur Umsetzung des Gesetzes zur Einführung der inklusiven Schule, dass die berufsbildenden Schulen an keiner Stelle mit einbezogen worden sind und fordern die Gleichstellung mit den allgemein bildenden Schulen bei der Umsetzung der Inklusion, um eine einseitige Benachteiligung zu vermeiden.

Die Annahme, dass die Inklusion erst in der Grundschule beginnt und dass dann mit einer zeitlichen Verzögerungvon etwa zehn Jahren die  berufsbildenden Schulen davon betroffen sind, stimmt nicht und geht an der Realität vorbei, da die Eltern natürlich ihr Recht beanspruchen, für ihre Kinder auch die Beschulung in den beruflichen Voll- und Teilzeitbildungsgängen der berufsbildenden Schulen auszuwählen.

Die Erfahrungen in anderen Bundesländern zeigen überdeutlich, dass die Eltern auch die beruflichen Voll- und Teilzeitschulformen für ihre Söhne und Töchter anwählen. Neben dieser fehlerhaften Grundannahme werden im Ministerium auch einige Besonderheiten der berufsbildenden Schulen übersehen. Es gibt Ausbildungsgänge in diesen Schulen, in denen nicht nur der Elternwille eine Rolle spielt, sondern die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf und mit gültigen Ausbildungsverträgen ein Recht darauf haben, in den Klassen der Berufsschule unterrichtet zu werden. Hier ist eine Inklusion im klassischen Sinne kaum möglich, da bei inklusiver Beschulung Schülerinnen und Schüler oft mit unterschiedlichen Ausbildungsverträgen in einer Klasse zu betreuen sind.

Zur Beschulung dieser Schülerinnen und Schüler ist es dringend erforderlich, dass die Schulen zusätzliche Anrechnungsstunden in der erforderlichen Höhe erhalten, um den Ansprüchen dieser Schülerinnen und Schüler(z.B. durch Teamteaching, zusätzliche individuelle Förderung sowie bildungsgangbezogenes Coaching) gerecht zuwerden. Hierbei ist - abhängig vom Betreuungsaufwand - von mindestens einer Stunde pro Schülerin oder Schüler pro Woche auszugehen.

Zudem ist es dringend erforderlich, dass verstärkt intensive Kooperationen mit den Beteiligten eingegangen werden, um eine schülergerechte Beschulung überhaupt durchführen zu können. Es ist wichtig, dass die Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen die notwendigen Informationen über die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf direkt und nicht erst über die eingebundenen Maßnahmeträger erhalten. Dies erfordert von den diese Schülerinnen und Schüler unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen einen enormen zusätzlichen Zeitaufwand und ein außergewöhnliches Engagement.

Der VLWN fordert grundsätzlich, dass endlich die Trennung zwischen den allgemein bildenden Schulen und denberufsbildenden Schulen bei der Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf beseitigt wird und dass auch sie an den unterstützenden Maßnahmen und den Entlastungen, die das Land den Schulen bei der Umsetzung der Inklusion zur Verfügung stellt, beteiligt werden und somit eine Gleichbehandlung dieser Schülerinnen und Schüler in den allgemein bildenden und die berufsbildenden Schulen ermöglicht wird.

Der VLWN fordert im Einzelnen, dass auch für die berufsbildenden Schulen:

  • zusätzliche Stellen für Schulen in besonderen Problemlagen, z. B. bei besonderen sozioökonomischen Herausforderungen,
  • zusätzliche Stellen für die Unterstützung von Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischerUnterstützung,
  • die gleichen Erleichterungen bei der Klassenbildung, wie in den allgemein bildenden Schulen, indem Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Unterstützung bei der Klassenbildung doppelt gezählt werden,
  • die erforderlichen Stunden und weiteren Unterstützungsmaßnahmen, z. B. durch Lehrerfortbildungsveranstaltungen, wenn die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf eine nichtdeutsche Herkunft haben und Sprachlernkurse bekommen sollen,
  • Erhöhung der Stellen für Schulsozialarbeiterinnen oder Schulsozialarbeiter zur Unterstützung der berufsbildenden Schulen bei der Betreuung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie zur Entlastung der Lehrkräfte bei der Umsetzung der Inklusion,
  • zusätzliche Anrechnungsstunden für die Fachberatung zur Einführung und Umsetzung der inklusiven Schule auch für das Dezernat 4 in der Niedersächsischen Landesschulbehörde.

Hannover, 03. April 2013

V.i.S.d.P.Silke Kaiser, Katja Mönnig, Pressereferentinnen des VLWN

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