20.02.2013

Der Bundesverband VLW: Eckwerte zur Ausbildung von Wirtschaftspädagogen in der Bachelor-/Master-Studiengangstruktur

Für den VLW ist es eine zentrale Aufgabe, sich mit der Sicherung und Weiterentwicklung der Ausbildung der Lehrkräfte für das wirtschaftsberufliche Schulwesen zu befassen. Von daher sind die anhaltenden Diskussionen und Forderungen um eine Nachbesserung und damit Optimierung des Studiums und der Studienbedingungen in der Bachelor-/Masterstruktur Anlass, die Position des VLW auf der Basis der vorliegenden Praxiserfahrungen zu überdenken und die Eckwerte zur Ausbildung von Wirtschaftspädagogen fortzuschreiben.

Um auch zukünftig

  • einen möglichst hohen Qualifikationsstandard in der Ausbildung der Wirtschaftspädagogen zu garantieren
  • im Wahlbereich ein Fächerangebot bereitzustellen, das dem Bedarf der berufsbildenden Schulen (Berufsschulen, Berufsvorbereitungsjahr, Berufsfachschulen, Fach- und Berufs-oberschulen, Wirtschaftsgymnasien, Fachschulen und Fachakademien) sowie der ein-stellenden Wirtschaft und nicht zuletzt den Wünschen und Erwartungen der Studierenden entspricht,
  • die Option der Studierenden für einen möglichst problemlosen Studienortwechsel innerhalb Deutschlands und innerhalb des europäischen Auslands offen zu halten,
  • die bundesweite Anerkennung des Master-Abschlusses als Eingangsvoraussetzung in das Referendariat sicherzustellen,
  • die Attraktivität und die Polyvalenz der wirtschaftspädagogischen Studiengänge zu sichern,
  • sind aus Sicht des VLW und der Hochschullehrer der Wirtschaftspädagogik bei der Aus-gestaltung der neuen Studiengangstruktur die folgenden Eckwerte unerlässlich.

 

1. Die Ausbildung der Lehrkräfte für das wirtschaftsberufliche Schulwesen ist grundsätzlich als universitärer Studiengang zu organisieren. Der erste sechssemestrige Studien-abschnitt schließt mit dem Bachelor-Degree (B. Sc.) ab, der darauf aufbauende vier-semestrige Studienabschnitt führt zum Master-Degree (M. Sc.).

Der Abschlussgrad Bachelor of Science ist ein erster berufsqualifizierender Abschluss, der  bei entsprechenden Leistungen zum Eintritt in die Master-Phase berechtigt. Mit dem Abschlussgrad Master of Science wird die Zugangsvoraussetzung für den Vorbereitungs-dienst für das Lehramt an kaufmännischen berufsbildenden Schulen (Referendariat) erworben.

Dabei ist sowohl in der Bachelor- als auch in der Master-Phase eine weitgehende Parallelität zu den anderen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen der Betriebs-wirtschaftslehre, der Volkswirtschaftslehre und der Wirtschaftsinformatik zu garantieren. So wird ein enger Bezug zu den relevanten Fachwissenschaften realisiert und in Ver-bindung mit praktischen Tätigkeiten während einer dem Studium vorausgehenden kaufmännischen Ausbildung oder eines studienbegleitenden betrieblichen Praktikums darüber hinaus die Beziehung zur betrieblichen Realität sichergestellt. Gleichzeitig wird damit die Polyvalenz des Bachelor- wie des Master-Abschlusses erreicht, die vielfältige qualifizierte und anspruchsvolle Beschäftigungsfelder neben dem Schuldienst eröffnet, was auch zur Attraktivität des Studienganges beiträgt.

2. Der interdisziplinäre Studiengang Wirtschaftspädagogik verknüpft wirtschaftswissen­schaftliche, wirtschaftspädagogische und weitere frei wählbare Fächer zu einem Gesamtprofil. Dieses deckt das gesamte Unterrichtsangebot der wirtschaftsberuflichen Schulen ab.

3. Das Studienfach Wirtschaftspädagogik ist die Integrationsdisziplin des konsekutiven Studienganges. Dabei nehmen die Institute bzw. Lehrstühle für Wirtschaftspädagogik die Studien-Koordinationsfunktion wahr: sowohl im Hinblick auf alle beteiligten Fächer und Fakultäten als auch im Hinblick auf die Studienseminare, Schulen, Schulverwaltung, Betriebe und Kammern. Dieser Integrationsfunktion kann immer dann besonders gut entsprochen werden, wenn die Wirtschaftspädagogik in der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist.

4. In der Ausbildung der Wirtschaftspädagogen hat das Studienfach Wirtschaftspädagogik wesentlich zur Profilbildung beizutragen. In diesem Studienfach, das inhaltlich über das von der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der DGfE formulierte Basiscurriculum Berufs- und Wirtschaftspädagogik beschrieben wird, nimmt die Fachdidaktik neben einer erziehungswissenschaftlichen Behandlung von Berufsbildungsproblemen einen bedeu-tenden Raum ein. Der Studienanteil des Faches Wirtschaftspädagogik umfasst rund ein Viertel des Gesamtstudiums (60 – 80 ECTS), das in der Bachelor-Phase auf 180 ECTS, in der Master-Phase auf 120 ECTS angelegt ist. Da das Studium im Fach Wirtschafts-pädagogik wesentlich zur Identitätsbildung der angehenden Wirtschaftpädagogen beiträgt, sollte der zeitliche Anteil der wirtschaftspädagogischen Qualifizierung zu etwa gleichen Teilen auf die Bachelor-Phase und Master-Phase entfallen.

5. Im Studienfach Wirtschaftspädagogik sind Schulpraktika (von insgesamt 8 bis 12 Wochen Dauer) sowie begleitende bzw. vor- und nachbereitende schul- und unterrichtspraktische Studien integraler Bestandteil (ca. 15 bis 20 ECTS) der Bachelor- und Master-Phase. Durch die Schulpraktika werden Studium und Schule sowie Theorie und Praxis vernetzt, indem die Studierenden zum einen an den Praktikumsschulen lernen, forschen und sich erproben und zum anderen Erfahrungen der Schulpraxis in die universitäre Lehrerausbildung einbringen. In einem so gestaltetem Schulpraktikum können die Studierenden Schule und Unterricht als komplexes Geschehen erleben und so nachhaltig die Wirklichkeit des Unterrichts an kaufmännischen Schulen in eigener Anschauung praktisch erfahren und beurteilen. Darüber hinaus leisten Schulpraktika einen wichtigen Beitrag zur Selbstevaluation im Hinblick auf die getroffene Berufswahl. Damit sie die beabsichtigten Zielsetzungen erreichen, ist eine intensive Koordination und Kooperation zwischen Universität, Studienseminar, Praktikumsschule und Schul-verwaltung unabdingbar.

Neben diesen Schulpraktika haben alle angehenden Wirtschaftspädagogen spätestens bei der Einstellung in den Vorbereitungsdienst eine einschlägige Berufsausbildung nach-zuweisen. Ersatzweise sind auch Betriebspraktika von mindestens zwölf Monaten Dauer möglich.

6. Um dem breiten Anforderungsspektrum von Schul- und Wirtschaftspraxis entsprechen zu können, ist es notwendig den Studierenden ein vielfältiges Angebot an Wahlfächern vor-zuhalten. Dabei sollte der Katalog der Zweitfächer die traditionellen allgemeinbildenden Unterrichtsfächer (z. B. Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen) sowie ausgesuchte wirt-schafts- und rechtswissenschaftliche Profilfächer (z. B. Betriebswirtschaftliche Steuer-lehre, Wirtschaftsinformatik, Rechnungslegung und Prüfungswesen, Finanzen und Con-trolling, Marketing und Innovationsmanagement, Volkswirtschaftslehre und internationale Ökonomie, Wirtschaftsrecht) enthalten. Diese Wahlfächer sind wegen der im Unterricht auf der Sekundarstufe II sich stellenden Ansprüche ebenfalls auf Sekundarstufen-II-Niveau bereits in der Bachelor-Phase beginnend und in der Master-Phase weiterführend in einem Umfang von insgesamt 70 bis 90 ECTS zu studieren.

7. Absolventinnen und Absolventen von wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen an (Fach-)Hochschulen und Dualen Hochschulen können bei entsprechenden Leistungen wegen der fehlenden Einschlägigkeit in den universitären Master-Studiengang Wirt-schaftspädagogik mit der Auflage zugelassen werden, dass sie die Inhalte der fehlenden wirtschaftspädagogischen Module sowie die Module des frei wählbaren Faches nach-erwerben.

8. Die Ausbildung für das Lehramt an kaufmännischen berufsbildenden Schulen bleibt auch zukünftig zweiphasig angelegt. Dabei kommt dem Referendariat, das sich auf 18 bis 24 Monate erstreckt, die Aufgabe zu, den bereits im Studium begonnenen Weg hin zu einer für eine erfolgreiche Bildungsarbeit notwendigen Professionalisierung weiterzuführen. Voraussetzung für den Eintritt in das Referendariat ist das Master-Degree; die Ausbildung im Referendariat wird mit der (Zweiten) Staatsprüfung abgeschlossen.

Die (Neu-)Gestaltung der wirtschaftspädagogischen Bachelor- und Master-Studiengänge ist durch eine Aufhebung der im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführten engen Reglementierungen, die zu einer Verschulung des Studiums geführt haben, und durch eine deutliche Reduzierung der Bürokratisierung der Hochschullandschaft zu begleiten.

 

Hannover, im November 2011

 

Laden Sie sich das Dokument hier herunter.