21.02.2013

Der Bundesverband VLW nimmt Stellung zu den Berufsgruppen/Berufsfamilien in der kaufmännischen Ausbildung

In einer Erklärung der KMK zur zukünftigen Gestaltung der dualen Berufsausbildung wird  u. a. auf drei Aspekte verwiesen:

  • mit den 30 am häufigsten nachgefragten Ausbildungsberufen werden insgesamt zwei Drittel der gesamten Ausbildungsverhältnisse gebildet,
  • mit 140 der 349 anerkannten Ausbildungsberufe werden  nur etwa 1 % aller Ausbildungsverhältnisse gebildet,
  • 5 Jahre nach Abschlusss der Ausbildung sind nur noch etwa 50 % der Auszubildenden in ihrem erlernten Ausbildungsberuf tätig.

Diese Beschreibung, die nicht unmittelbar die Situation der kaufmännischen Ausbildungsberufe widerspiegelt, verdeutlicht aber, dass die Gesamtzahl der Ausbildungsberufe und die der kaufmännischen Berufe eher (zu) groß ist.

Diese Zersplitterung der Ausbildungsberufe ist mit Problemen behaftet, die nicht nur die Auszubildenden, sondern auch die  Ausbildungsbetriebe und die Schulen betreffen.

 

Problem/Ziel

Die kaufmännischen  Ausbildungsberufe sind z. T. ebenfalls das Ergebnis eines Prozesses der Ausdifferenzierung; dieser Prozess ist in der kaufmännischen Domäne glücklicherweise weniger stark ausgeprägt als in anderen Ausbildungsbereichen.  

 

Mitte des letzten Jahrzehnts wurden deshalb von unterschiedlichen Institutionen wie der BDA (2005), dem DIHK (2007), der IG-Metall (2007) oder auch von der BertelsmannStiftung (2008) Reformvorschläge entwickelt, um die Anzahl der Ausbildungsberufe zu reduzieren. In diesem Diskussionsprozess setzte man sich inhaltlich mit Berufsgruppen, gemeinsamen Kernqualifikationen für das 1. Ausbildungsjahr, mit Kernberufen sowie der durch die Überspezialisierung mittlerweile vorhandenen 200 Splitterberufen auseinander.

Dieser Diskussionsprozess war geprägt von dem Ziel, durch eine Vereinheitlichung und Reduzierung der Ausbildungsberufe Vorteile für die Auszubildenden und deren Betriebe sowie für die Berufsschule zu generieren. Ziele waren deshalb die Realisierung  der Möglichkeiten zur ortsnahen Beschulung, die Vermeidung von niederfrequentierten Lerngruppen sowie eine Optimierung der Ressourcennutzung.

 

Forderungen

  • Wiederaufnahme des Diskussionsprozesses mit dem Ziel einer gemeinsamen Verständigung über Begriffe wie Kernkompetenzen, Berufsfamilien und Berufsgruppen.
  • Kritische Analyse der aktuell anerkannten Ausbildungsberufe, mit dem Ziel, diese mit den Familien und Berufsgruppen zusammenzuführen.
  • Festlegung, dass neue Ausbildungsberufe nur dann geschaffen werden dürfen, wenn sie einer Berufsgruppe/Berufsfamilie zugeordnet werden.
  • Schaffung gemeinsamer Ausbildungsinhalte/gemeinsamer Lernfelder, um eine gemeinsame Beschulung zu ermöglichen.

 

(Stand: Jan. 2013)