21.06.2017

Keine überstürzte Einführung zu Lasten unserer Schüler VLW fordert Verschiebung der HBF-Reform

Im Rahmen seiner diesjährigen Klausurtagung hat der Landesvorstand des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen Rheinland-Pfalz e. V. (VLW) die Verschiebung der geplanten HBF-Reform um zwei Jahre gefordert. Außerdem soll die Pilotphase ein Jahr später starten. Sparbemühungen auf dem Rücken der jungen Generation lehnt der VLW vehement ab. Die Reform, welche der Verband grundsätzlich begrüßt, sieht vor, die Höhere Berufsfachschule als vollschulische Erstausbildung zu profilieren. Zu diesem Zweck soll der Praktikumsanteil, der bisher 40 Tage in zwei Jahren betrug (davon die Hälfte während der Unterrichtszeit, die andere Hälfte in den Sommerferien) auf 80 Tage verdoppelt werden. Diese 80 Praktikumstage sollen nun komplett in der Schulzeit absolviert werden, wodurch sich die Anzahl der Unterrichtsstunden in der HBF drastisch reduziert. Hier setzt die Kritik des VLW an, denn diese Kürzungen gehen vor allem zu Lasten der allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. Ein Schüler, der im neuen Modell nicht am Fachhochschulreife-Unterricht teilnimmt, erhält gar keinen Unterricht in Mathematik und in der ersten Fremdsprache (meistens Englisch). „Wie das zu den Anforderungen der Betriebe an ausbildungsreife junge Menschen passen soll, erschließt sich uns nicht“, kritisiert der Landesvorsitzende Karl-Heinz Fuß. Er befürchtet, dass die Reform in erster Linie den Sparplänen der Landesregierung dienen soll. Bekanntlich sollen im Bereich der beruflichen Bildung 40 Lehrerstellen eingespart werden.

Der Sparcharakter der Reform zeigt sich auch darin, dass für das jetzt deutlich ausgedehnte Praktikum und die damit zusammenhängende Berichtsarbeit kein Lehrkräfteeinsatz vorgesehen ist. Und das, obwohl die Berichtsarbeit prüfungsrelevant sein soll. Die Schülerinnen und Schüler in der Praktikumsphase unbetreut zu lassen, wäre aus Sicht des Verbandes unverantwortlich.  

Obwohl für die neustrukturierte HBF noch keine Lehrpläne für den berufsbezogenen Unterricht vorliegen, ist das rheinland-pfälzische Bildungsministerium fest entschlossen, mit Beginn des Schuljahres 2017/18 sechs Pilotschulen an den Start gehen zu lassen, die schon einmal ausprobieren sollen, wovon noch niemand eine konkrete Vorstellung hat. Allerdings geht dieser Versuch zu Lasten der Schülerinnen und Schüler, die zunächst von dieser Veränderung überrascht werden. Denn sie haben sich im Februar 2017 für einen der bisherigen HBF-Bildungsgänge angemeldet und müssen nun in diese Versuchsklassen hinein „beraten“ werden. Dies hält der VLW für rechtlich äußerst bedenklich. Aus diesen und den oben genannten Gründen fordert der VLW dringend die Verschiebung der Pilotphase um ein Jahr auf den Beginn des Schuljahres 2018/19. Damit die Erkenntnisse der Pilotschulen auch in die neue Verordnung über die HBF einfließen können fordert der VLW darüber hinaus, die Einführung der Reform auf das Schuljahr 2020/21 (Plan des Ministeriums: 2018/19) zu verschieben.

Höhr-Grenzhausen, 10. Juni 2017 

VLW Rheinland-Pfalz

Vorsitzender: Diplom-Handelslehrer Karl-Heinz Fuß